Man sollte ja glauben, dass Jesus außergewöhnlich war. Immerhin war bzw. ist er Gott. Warum wird dann so oft von Alltäglichem berichtet. Er lernt einen normalen Beruf, zieht durch die Straßen, geht feiern… All‘ das stört die blinden Führer. Oder sollte ich sagen Ältesten? Jesus isst mit dem Abschaum der Gesellschaft, hat Gemeinschaft mit ihnen. Unrein, sündig, schlecht, ungebildet… Jesus kann einfach kein Gott sein. Dazu ist er viel zu normal. Oder ist er gerade deswegen Gott? Oder warum wird so oft davon berichtet, dass Jesus mit den Ausgestoßenen isst?
Alltag: Was ist das?
Es gibt nur wenige Dinge, die fast alle Menschen verbindet. Das ist der Alltag. Und das normalste Alltägliche ist das Essen und Trinken (oder sollte es zumindest sein). Damit kann sich jeder identifizieren und man kann sich Jesus vorstellen, weil es uns selbst noch passieren könnte. Sogar in den banalsten Dingen ist er bei den Menschen und unterhält sich mit ihnen, teilt sein Leben und seine Leidenschaft mit allen, die ihn darum bitten. Im Gegensatz zu den Leitern. Das bringt uns zu Punkt 2:
Warum regen sie sich eigentlich auf?
Wer sagt, dass die Pharisäer nur Angst hatten, ihre Macht zu verlieren greift wohl etwas zu kurz. Also schauen wir uns das Leben der Menschen mal an. Die Leiter haben sich damals abgesondert, wo es nur ging. Wer sich nicht die Hände wusch vor dem Essen, wer nicht peinlich genau den Zehnten an Gott gab, wer nicht Teil ihres Systems war und nicht anerkannte, dass sie näher an Gott waren als jeder andere, der wurde gesellschaftlich nicht akzeptiert. Diese Inakzeptanz führte zu einem schizophrenen Lebensstil. Sie gaben vor, ihr Leben ganz für Gott hingegeben zu haben, aber eigentlich befriedigten sie nur ihre eigene Gier nach Macht, Einfluss und Ruhm. Wer genau hinsah, konnte sehen, dass die Pharisäer anders waren als das normale Volk: Sie waren schlimmer, weil sie etwas taten, was heute nur Philosophen machen. Philosophen legen Menschen eine Theorie vor die Füße, die zu stimmen scheint, nach der man aber nicht leben kann. Selber krümmen sie keinen Finger, um nach ihrer eigenen Theorie zu leben, aber verlangen von den „Blinden“, dass sie sich der Theorie entsprechend verhalten sollen. Die Pharisäer oder geistlichen Führer damals taten genau das – mit Theologie! Sie verbreiteten ein Bild eines heiligen, unantastbaren, zornigen Gottes, lebten zum Teil danach und schmähten die Menschen, die danach nicht leben konnten. Was aber der eigentlich wichtige Punkt ist, der ihre Lüge aufdeckt und klar macht, dass sie nicht nach ihrer Theorie leben ist folgender: Sie sagten, sie kannten Gott, aber das war nur Schein. Sie kannten Gott nur aus Schriften und Büchern und Überlieferungen. Persönliche Erfahrungen waren ihnen völlig fremd. Der gesamte Alltag trennte den Pharisäer vom normalen Menschen und von Gott also in Theorie und Praxis. Als nun Jesus kommt und behauptet Gott zu sein, dabei aber mit den „Ungläubigen“ redet und seinen Alltag mit ihnen verlebt, können sie ihren Zorn nicht mehr in Grenzen halten. Sie stecken Jesus in dieselbe „Kaste“, in welcher er sein Leben verbringt: die Sünder-Kaste. Konsequenterweise werden sie Jesus dafür steinigen.
Was tut Jesus?
Jesus spricht nur die Wahrheit aus. Er hält ihnen vor Augen, was sie wirklich sind: Blinde Führer, Dickköpfe und Narren. Jesus stellt sich wissentlich auf die Seite der armen Schweine. Bei vielen werden die Lügen über Gott nämlich Angst und Hass ausgelöst haben, deswegen waren die Armen und Schwachen im Endeffekt auch so überglücklich, dass sie Jesus kennen lernen durften, der ihnen von einem ganz anderen „Papa“ erzählt. Einem liebenden Vater, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Beziehung zu jedem von ihnen, zu normalen, ehrlichen, aufrichtigen, einsichtigen, schwachen und kaputten Menschen.
LK
Verfasst von lotus-kid