Relation von Gnade und Gesetz

Samstag, 3. Mai 2008

Grenzen muss es geben. Und Regeln sind grundsätzlich gut. Vorschriften braucht man, um sich orientieren zu können. Aber wie genau funktioniert das „Gesetz“ der Bibel? Wie sind die 10 Gebote zu verstehen und was hat Gnade damit zu tun? Chronologisch betrachtet kam der Bund, der die 10 Gebote beinhaltet vor dem Gesetz der Gnade. Also schauen wir uns zuerst diesen an.

Gesetz Part I (vor Jesus)

Gott hatte sich ein Volk ausgesucht und wollte sie beschützen und sie leiten. In diese Situation kamen die 10 Gebote und das Gesetz. Es sollte dazu dienen, Gott zu ehren und Frieden zwischen den Menschen des Volkes Gottes zu schaffen. Wenn man sich die 10 Gebote anschaut wird das sehr deutlich. Es dreht sich alles um Beziehungen zwischen Mensch und Gott und zwischen Mensch und Mensch. Diese Gebote waren Grundpfeiler, die aber auf dem Fundament des Glaubens stehen sollten. Vergebung spielte auch hier eine sehr große Rolle. Es gab unzählige Vorschriften, wie man Vergebung erlangen konnte. Hauptsächlich geschah dies durch Schlachtopfer. Tiere wurden getötet, um menschliche Schuld symbolisch auf das Tier zu laden. Ohne Blut keine Vergebung. Das wussten auch die Juden sehr genau. Mit der Zeit jedoch traten die Opfer, Gesetze und Vorschriften an die Stelle des Glaubens. Man brauchte keinen Gott mehr, um sich an die Gebote zu halten. Gott war reine Phrase. Der Großteil des Volkes wurde falsch geleitet. In dieser Situation kam ein Prophet Gottes und kündigte einen neuen Weg an: Johannes der Täufer. Er wies auf Jesus , Gott und Gnade hin.

Gesetz Part II (Jesus)

Jesus dann vollendete den „alten“ Bund und vervollständigte ihn. Er riss die Masken von den scheinbar religiösen Gesichtern und trat ausgestattet mit der Vollmacht Gottes auf. Sein Weg war ganz neu. Plötzlich waren die Ärmsten der Armen angenommen. Statt den Gesetzeshütern fanden Menschen bei Jesus Liebe, die sie sonst nirgendwo fanden: Nutten, Diebe, Mörder… Was also ist so besonders an diesem Menschen? Er stellte das Gesetz nicht mehr an die erste Stelle. Jedenfalls nicht das Gesetz der Scheinheiligen. Das Gesetz diente im eigentlichen Sinn der Liebe und der Vergebung und nicht einer selbstgefälligen Gerechtigkeit. Das Gesetz war dazu da seine eigene Schuld und seine eigene Unvollkommenheit einzusehen. Dies proklamierte Jesus ganz offen und sagte von sich selbst, dass er Sünden vergeben kann. Er liebte die Menschen und feierte einen gnädigen und lieben Papa. Etwas völlig Unverständliches. Wie kann Gott „Papa“ sein? Und dann stirbt Gott auch noch an einem Kreuz? Wird geschändet und ans Holz genagelt, wird verflucht und lässt das mit sich geschehen? Dieser Willensakt der Unterordnung und der Anerkennung des Willens seines Vaters war der letzte Schritt, um die gängigen Schlachtopfer bedeutungslos zu machen. Denn jetzt wurde Gott selber zu einem Fluch, er selber wurde das Blut, das ausreicht, um Vergebung zu finden. Mit der Auferstehung dann wurde deutlich, dass er wirklich der Sohn Gottes, also Gott selbst war. Nun konnte die Gnade ungehindert fließen. Eine riesige, wenn nicht die größte Befreiungsaktion der Welt wurde in Gang gesetzt…

Gesetz Part III (nach Jesus)

Und trotzdem hat die Zeit nicht ausgereicht, um den Menschen das Prinzip Gnade zu vermitteln. Schon die ersten Gemeinden sind immer wieder auf zwei Seiten vom Pferd gefallen. Zum einen wurde die Gnade missbraucht. Wenn meine Schule so oder so vergeben wird, unabhängig davon, wie ich mich verhalte… na dann darf ich ja auch morden, lügen, stehlen usw. Ich brauche nur danach brav um Vergebung fragen. Auf der anderen Seite kann doch Gnade nicht alles sein. Das ist doch viel zu einfach. Man muss das Gesetz auch halten, man kann ja nicht so „unrein“ zu Gott kommen. In diese beiden Situationen wurden dann auch die neutestamentlichen Briefe geschrieben. Den Lebemenschen wurde gesagt: Streckt euch nach der Liebe aus. Tut Gutes. Macht und haltet euch an das Gesetz. Den „Gesetzern“ musste man erzählen, dass Gnade eben doch ausreicht und es wirklich egal ist, wie viel Sünde man begeht. Gottes Liebe wird dadurch weder mehr (wenn man sich an die Gebote hält) noch wird sie weniger (wenn man sich nicht an sie hält). Man braucht nur In Gott zu bleiben und man wird verändert werden…

Zusammenfassung:

1) Gesetz führt zu 2) Vergebung, und die daraus ersichtliche 3) Gnade* führt wiederum zur 4) Liebe und damit zum 5) Gesetz.
*a) Vorsicht vor Gesetzlichkeit
b) Vorsicht vor Gleichgültigkeit

1) Ich erkenne, dass das Gesetz den Tod fordert. Ich brauche Vergebung und Blut, um zu Gott zu gelangen. Seine Gebote kann ich beim besten Willen niemals halten.
2) Ich gehe zu Gott und bitte um Vergebung durch seinen Sohn.
3) Ich lerne Gottes Gnade langsam kennen. Ich bin nicht perfekt, aber ich weiß mir wurde vergeben. Das Gesetz hat seine Schuldigkeit getan.
4) Nun möchte ich die Menschen lieben und Gott lieben. Aus Gnade, weil er mich auch einfach so liebt. Da ist kein Gesetz, was mich an Regeln bindet. Gesetz ist die Liebe. Und Liebe wiederum befreit vom Gesetz.
5) Langsam fange ich an zu lieben. Damit halte ich das Gesetz besser als jeder Pharisäer.

Nachwort

Genauso wie damals stecken die heutigen Kirchen und Gemeinden auch immer wieder in der Spannung von Gnade und Gesetz. Die Reformationsbewegung hat zwar einiges verändert, aber dennoch muss man sich immer wieder selber überprüfen und fragen: Lebe ich aus der Gnade? Wo bin ich gesetzlich geworden? In jedem von uns steckt nämlich ein Pharisäer… Liebt einander und akzeptiert einander! Freut euch an der Gnade und der Liebe Gottes zu uns.

LK