Jesus und das Alltägliche Teil II: Heute

Montag, 26. Mai 2008

Leider ist das gesamte System die Pharisäer niemals kaputtgegangen. Es verseucht die gesamte christliche Community, wo es nur kann. Wer sich einmal den Luther Film anschaut, wird ganz schnell feststellen können, dass die Parallelen zwischen Bischöfen und dem Papst auf der einen Seite und Pharisäern und dem Hohepriester auf der anderen Seite ziemlich stark sind. Und auch heute im aufgeklärten Zeitalter und nach der Luther’schen Revolution scheint dieses System wieder Fuß gefasst zu haben. Erfahrung wird ausgeklammert und bedeutet nichts mehr, Disziplin und Gesetz halten ist alles. Andererseits wird der Geist, die Erfahrung überbetont und man liegt sich mit Hollywood Liebe in den Armen. Man hält sich an irrelevanten Bibelstellen auf, die Christenheit ist komplett uneins und man streitet sich über die richtige Auslegung. Hass, Neid, Zorn, Machtmissbrauch, wo man nur hinschaut. Die echte Liebe hingegen wird als unwichtig empfunden. Gott ist nur ein Wort. Wer einmal Christus als Retter angenommen hat, sitzt mit im Boot und der Prediger muss sich beeilen, damit die „Bekehrten“ noch die richtige Doktrin mit auf den schweren Weg bekommen.

Es ist wirklich beklemmend und traurig mit anzusehen, dass Gott nicht verherrlicht wird, dass die Liebe unter dem Deckmantel der richtigen Auslegung verschmäht wird und wie die Menschen in der Kirche und den Gemeinden unter diesem Joch zusammenbrechen. Und wer glaubt, vor solch einem System, solch einem Denken gefeit zu sein, steckt schon mittendrin. Vermutlich wird es sich auch nicht ändern, aber es gibt immer noch die Chance, Gott zu suchen. Es gibt immer noch die Chance auf Gemeinschaft, auf persönliche Erfahrung mit Gott, auf richtiges Verständnis des Wortes durch den Heiligen Geist, weil der Heilige Geist Gott selbst ist und Gott selbst ist das Wort und nur durch ihn wird man auch seine Sprache sprechen.

Und es wird immer Menschen geben, die Gott kennen. Auf solche Menschen sollte man hören, sie werden liebevoll und mitfühlend mit den Suchenden umgehen und sie nicht wegen ihrer Sünde verdammen. Sie werden gnädig sein und den Weg zu Gott aufzeigen können, denn sie kennen Gott! Auch wenn es Widerstand in den eigenen Reihen gibt, wird sie nichts davon abbringen können, weiterhin ein Abbild der Liebe Gottes zu uns Menschen zu sein. Sie werden ihre Feinde nicht verfluchen und sich nicht mit ihnen streiten, sondern sie aufrichtig annehmen und ihren Alltag mit Gott und allen Menschen teilen. Sie werden solche Menschen nicht verdammen, die auf Partys gehen, die fertig sind, die in Sünde gefangen sind, die sich Filme anschauen, die „ungeistliche“ Musik hören. Sie werden genau dasselbe tun – mit Liebe! Sie werden ihren Alltag und ihr Leben von Gott geheiligt wissen und können so im normalen, weltlichen Leben mit Gott gehen. Sucht solche Menschen! Lasst euch von ihnen an der Hand nehmen. Sie werden euch nichts auflasten, was ihr nicht tragen könnt, sondern eure Hand ebenfalls nehmen und ihren Weg mit euch gehen und nicht vorauslaufen. Sehnt euch nach Gott und bittet ihn um Hilfe! Er wird sie euch gerne geben!

LK


Jesus und das Alltägliche Teil I: Damals

Montag, 26. Mai 2008

Man sollte ja glauben, dass Jesus außergewöhnlich war. Immerhin war bzw. ist er Gott. Warum wird dann so oft von Alltäglichem berichtet. Er lernt einen normalen Beruf, zieht durch die Straßen, geht feiern… All‘ das stört die blinden Führer. Oder sollte ich sagen Ältesten? Jesus isst mit dem Abschaum der Gesellschaft, hat Gemeinschaft mit ihnen. Unrein, sündig, schlecht, ungebildet… Jesus kann einfach kein Gott sein. Dazu ist er viel zu normal. Oder ist er gerade deswegen Gott? Oder warum wird so oft davon berichtet, dass Jesus mit den Ausgestoßenen isst?

Alltag: Was ist das?

Es gibt nur wenige Dinge, die fast alle Menschen verbindet. Das ist der Alltag. Und das normalste Alltägliche ist das Essen und Trinken (oder sollte es zumindest sein). Damit kann sich jeder identifizieren und man kann sich Jesus vorstellen, weil es uns selbst noch passieren könnte. Sogar in den banalsten Dingen ist er bei den Menschen und unterhält sich mit ihnen, teilt sein Leben und seine Leidenschaft mit allen, die ihn darum bitten. Im Gegensatz zu den Leitern. Das bringt uns zu Punkt 2:

Warum regen sie sich eigentlich auf?

Wer sagt, dass die Pharisäer nur Angst hatten, ihre Macht zu verlieren greift wohl etwas zu kurz. Also schauen wir uns das Leben der Menschen mal an. Die Leiter haben sich damals abgesondert, wo es nur ging. Wer sich nicht die Hände wusch vor dem Essen, wer nicht peinlich genau den Zehnten an Gott gab, wer nicht Teil ihres Systems war und nicht anerkannte, dass sie näher an Gott waren als jeder andere, der wurde gesellschaftlich nicht akzeptiert. Diese Inakzeptanz führte zu einem schizophrenen Lebensstil. Sie gaben vor, ihr Leben ganz für Gott hingegeben zu haben, aber eigentlich befriedigten sie nur ihre eigene Gier nach Macht, Einfluss und Ruhm. Wer genau hinsah, konnte sehen, dass die Pharisäer anders waren als das normale Volk: Sie waren schlimmer, weil sie etwas taten, was heute nur Philosophen machen. Philosophen legen Menschen eine Theorie vor die Füße, die zu stimmen scheint, nach der man aber nicht leben kann. Selber krümmen sie keinen Finger, um nach ihrer eigenen Theorie zu leben, aber verlangen von den „Blinden“, dass sie sich der Theorie entsprechend verhalten sollen. Die Pharisäer oder geistlichen Führer damals taten genau das – mit Theologie! Sie verbreiteten ein Bild eines heiligen, unantastbaren, zornigen Gottes, lebten zum Teil danach und schmähten die Menschen, die danach nicht leben konnten. Was aber der eigentlich wichtige Punkt ist, der ihre Lüge aufdeckt und klar macht, dass sie nicht nach ihrer Theorie leben ist folgender: Sie sagten, sie kannten Gott, aber das war nur Schein. Sie kannten Gott nur aus Schriften und Büchern und Überlieferungen. Persönliche Erfahrungen waren ihnen völlig fremd. Der gesamte Alltag trennte den Pharisäer vom normalen Menschen und von Gott also in Theorie und Praxis. Als nun Jesus kommt und behauptet Gott zu sein, dabei aber mit den „Ungläubigen“ redet und seinen Alltag mit ihnen verlebt, können sie ihren Zorn nicht mehr in Grenzen halten. Sie stecken Jesus in dieselbe „Kaste“, in welcher er sein Leben verbringt: die Sünder-Kaste. Konsequenterweise werden sie Jesus dafür steinigen.

Was tut Jesus?

Jesus spricht nur die Wahrheit aus. Er hält ihnen vor Augen, was sie wirklich sind: Blinde Führer, Dickköpfe und Narren. Jesus stellt sich wissentlich auf die Seite der armen Schweine. Bei vielen werden die Lügen über Gott nämlich Angst und Hass ausgelöst haben, deswegen waren die Armen und Schwachen im Endeffekt auch so überglücklich, dass sie Jesus kennen lernen durften, der ihnen von einem ganz anderen „Papa“ erzählt. Einem liebenden Vater, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Beziehung zu jedem von ihnen, zu normalen, ehrlichen, aufrichtigen, einsichtigen, schwachen und kaputten Menschen.

LK